Die Kirche wurde von Martin Holz gemalt Osterwick - das Dorf im Osten von Kloster Varlar
Wer die Pfarrkirche in Osterwick durch den nördlichen Eingang betritt, findet rechte Hand im Turm eine Inschrift: Gründung der Pfarre Osterwick 1023 - 1032«. Das Datum spielt auf eine Urkunde an, die Bischof Siegfried von Münster (1022 - 1032) der adeligen Dame Reinmod aus dem Geschlecht der Billunger ausgestellt hatte, eine Kirche (basilica) auf ihrem Besitz in Varlar zu errichten. Da in dieser Urkunde auch Osterwick erwähnt wird, stellt sie das wichtigste schriftliche Dokument dar, etwas zuverlässiges über das Alter unserer Pfarrei zu erfahren. Die historische Forschung des 19. Jahrhunderts kam zu dem Schluss, das die Pfarre Osterwick spätestens Anfang des
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In den vierziger Jahren unseres Jahrhunderts hat der Kirchenhistoriker Albert K. Hömberg die Frühzeit der Pfarrgründung wesentlich weiter aufgehellt. In seinen Studien zur Entstehung der mittelalterlichen Kirchenorganisation in Westfalen stellt er fest: ,Eine frühe bischöfliche Gründung tritt uns in der Kirche von Osterwick (Ss. Fabianus et Sebastianus) entgegen. In der Zeit des Bischofs Siegfried (1022 - 1032) urkundlich bezeugt, dürfte ihre Entstehung vielleicht bis in das 9. Jahrhundert zurückzuführen sein. Die kirchliche Organisation zur Zeit Karls des Grossen fusste nicht auf der politischen Ordnung der sächsischen Gaue, sondern auf der planvollen Ausbreitung von Missionskirchen. Die Ältesten sind aus den Kapellen fränkischer Königshöfe erwachsen, die an den Heerstrassen des Sachsenkrieges lagen. Ein Ring von Urkirchen um das Missionszentrum Münster wurde im späten 8. Jahrhundert angelegt. Die Bischöfe Liudger, Gerfrid und Altfrid schliesslich vollendeten die Pfarrstruktur im Drein- und Stevergau, wozu auch die Kirche der Heiligen Fabian und Sebastian in Osterwick gehört. Inmitten frühen sächsischen Siedlungsgebietes gelegen, wird man sich ihre Gründung in der Dorfbauerschaft Osterwick auf einem Haupthof (curtis) vorzustellen haben. Die Besitzer eines solchen Anwesens, die Herren von Osterwick, lassen sich in Urkunden aus dem 12. bis 14. Jahrhundert als niederer Adel nachweisen. Die wirtschaftliche Grundlage einer Pfarrei war nach karolingischem Recht in der sogenannten Capitulatio de partibus Saxoniae gesetzlich geregelt. Sie bestand in einer Hofanlage, zwei Hufen Land sowie Knechten und Mägden. Aus einem Verzeichnis von 1415 (Codex Trad. Westf.) wissen wir, das die Pfarre mit einem Wirtschaftshof, dem Wedemhove, ausgestattet war. Als Grundherr tritt in den Investitionsurkunden (Investitur = Verleihung des Pfarramtes) das Domkapitel in Münster auf. Es bezog die Einkünfte aus der Pfarrei (Zehntabgabe) und vertrat sie in Rechtsangelegenheiten.,

Das Patrozinium der Heiligen Fabian und Sebastian, das im Hochstift Münster nur dreimal vorkommt, weist wiederum auf das hohe Alter der Pfarrei hin. Die sächsischen Missionsgebiete waren in karolingischer Zeit religiöses Neuland. Es gab ein dringendes Bedürfnis nach Heiligen sowie auch nach Reliquien. Es ist auffällig, dass die Verehrung der Hl. Fabian und Sebastian im
9. Jahrhundert in Nordwesteuropa besonders verbreitet war, und zwar infolge einer angeblichen Übertragung der Gebeine zum Kloster St. Mödard zu Soissons. Nicht Rom, sondern das Westfrankenreich lieferte die meisten Reliquien in sächsisches Gebiet. Beispielhaft hatte Karl der Große selber um 800 die Gebeine der Heiligen Crispin und Crispinian von Soissons nach Osnabrück überführen lassen. So wird auch eine junge Kirche wie Osterwick sich die damals moderne Heiligen als Schutzpatrone der Kirche erwählt haben Leider ist es bei den mehrfachen Umbauten der Kirche - zuletzt 1968/69 - versäumt worden, nach Vorgängerbauten der jetzigen Kirche zu graben. Es ist nicht denkbar, dass der Pfarrort Osterwick ca. 300 Jahre ohne Kirchbau war. Vielmehr wird man mit einem Holzbau in der damals üblichen Form der Holzpfostentechnik zu rechnen haben, wie ähnliche Missionskirchen schon aus dem 8. Jahrhundert ausgegraben worden sind.
Die Baugeschichte der Kirche
Am östlichen Ortsrand gelegen, erhebt sich die Pfarrkirche ca. 30 Meter hoch. Der warme Ton des Baumberger Sandsteins kontrastiert reizvoll mit der seegrünen Patina der Kuppel und der Turmdächer. Die etwas zu üppig geratene Architektur der in neuromanischem Stil erweiterten Kirche verdeckt auf den ersten Blick den ursprünglichen mittelalterlichen Kernbau, der jedoch fast vollständig erhalten ist.

Der barocke Innenraum
die neuromanische Erweiterung unter Prof. L. Becker aus Mainz
(Anfang des 20. Jahrhunderts
Die Gestaltung des Inneren nach dem II. VatikanischenKonzil (1968/69)
Die auffälligste Veränderung dürfte wohl in der Versammlung der Gemeinde um den Altar zu sehen sein, der auf einer weitangelegten Parabel unter die große Kuppel vorgezogen wurde, so dass der Priester, der jetzt versus populo (zum Volk gewendet) zelebrierte, mitten unter dem Volk stand. Der kristallartige Monolith aus Anröchter Sandstein, ein Werk des Raesfelder Künstlers Hermann Kunkler, birgt die Reliquien der Heiligen Fabian und Sebastian sowie Ursula und Faustina, die ein Osterwicker Priester 1925 aus Rom mitgebracht hat. Kontrapunktisch dazu steht im Chorraum der Priestersitz, dessen liturgische Funktion auf die Anwesenheit Christi verweist.
Die staufische Hallenkirche
Die Kirche in Osterwick ist unter künstlerischem Gesichtspunkt in die Spätzeit staufischen Bauwillens einzureihen, der abrupt mit dem Untergang des staufischen Reiches Mitte des 13. Jahrhunderts endet
Die Anlage in Osterwick besteht aus einem fast quadratischen Langhaus mit schwerem Westturm (Treppengiebel) sowie einem rechteckigen Chorabschluss im Osten, der heute hinter das Oktogon verlegt ist. Die Kreuzform und die die Längsrichtung betonende Säulenreihe der Basilika sind weggefallen zugunsten der Breiträumigkeit des Gebäudes (siehe das Verhältnis der
Schiffe 1 : 2 : 1 !). Unterstützt wird der hallenartige Raumeindruck durch die besondere Technik des Domikalgewölbes. Auf gleicher Kämpferhöhe (Widerlager über dem Kapitell) wie das Seitenschiff setzt das Gewölbe des Mittelschiffs an und spannt sich kuppelartig über dem Raum aus. Die Gewölberippen haben nur eine ästhetische Funktion. Sie enden in einem Sandsteinring, aus dem der Schlussstein in Form eines Zapfens nach unten hervorkragt.
Die Seitenschiffe werden durch Pfeiler und Säulen (= Stützenwechsel) optisch vom Hauptschiff getrennt und erzeugen so eine Gegenbewegung zur Halle. Sie sind nach dem Muster der Basilika, der älteren Prozessionskirche, erbaut, das heisst, dass auf ein Mittelschiffjoch zwei Joche des Seitenschiffs kommen mit gratigen Kreuzgewölben. So entsteht ein Mischtyp, die sogenannte Halle gebundener Ordnung.
Im Aussenaufbau zeigt sich der Mischtyp zwischen Basilika und Halle im heutigen Bauzustand in der Heraushebung eines schmalen Streifens der Mittelschiffsoberwand, durch die deutlich die niedrigeren Seitenschiffdächer nach Art der Basilika betont werden. Die seitlichen Eingänge von der Nord bzw. Südseite dagegen entsprechen wieder der Hallenkirche.
Wie ist es im westfälischen Raum zu diesem im 12./13. Jahrhundert weitverbreiteten Bautypus gekommen? Auffällig ist, dass dieser Gestaltungswille sich nicht nur in kulturellen Mittelpunkten bemerkbar macht, sondern gleichzeitig in ganz Westfalen und darüber hinaus auftritt. Vermutlich erfasste ein religiöser Aufschwung die Gemeinden des hohen Mittelalters, wofür die vielen neuen Pfarrkirchen Zeugnis ablegen. Theologisch betrachtet bereitete sich hier schon die Mystik des 14. Jahrhunderts vor. Sie fusst auf der religiösen Innerlichkeit der Gemeinde, die sich in dem gemeinschaftsbildenden Hallenraum liturgisch Ausdruck verschafft.
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An Pfeilern, Bogenfeldern, Kapitellen und Schlusssteinen zeigt sich eine handwerkliche Meisterschaft, deren rheinischer Einfluss unverkennbar ist. Während die St. Johanni-Kirche in Billerbeck, sowie St. Brigida in Legden berühmt sind für ihre reichhaltige Ornamentik, ist die verwandte Kirche von Osterwick sparsamer im Ausdruck, steht aber in Einzelbeispielen nicht dahinter zurück. Siehe zu Beispiel einen Pfeiler des Oktogons sowie das Schalksmotiv in der Apsis.
Unbestreitbarer Höhepunkt der Steinmetzkunst aber ist der herabschauende Christus im Schlussstein über dem Priestersitz. Der Kyrios ist als Zeuge gestaltet, die Rechte erhoben zur Schwurhand, während die Linke das Evangelienbuch hält. Das jugendliche Bild der Christusgestalt zeigt portraitähnliche Züge.
Die neuromanische Erweiterung der Kirche (1904 - 1908-, 1922) Das Kirchengebäude in Osterwick hatte etwa 600 Jahre den Bedürfnissen der Gemeinde genügt. Doch als nach der Säkularisation (1803) Kloster und Kirche von Varlar geschlossen wurden - 1820 wurde die Klosterkirche abgetragen - mussten auch die südlichen Anwohner der Gemeinde am Gottesdienst in der Dorfkirche teilnehmen. Jetzt wirkte sich zu der drangvollen Enge der schlechte auliche Zustand der Kirche aus, die im Volksmund nur die »Scheune« genannt wurde. Schon sprach man davon, anstelle der alten Kirche einen Neubau zu errichten. 1870 erging die erste Anregung von Münster zu einem Kirchenneubau, der wegen des Kulturkampfes aufgeschoben wurde. 1897 wurde der neuernannte Pfarrer in Osterwick, Adolf Wentrup, mit Neubauplänen beauftragt. Unter der Leitung von Professor L. Becker, Mainz, der auch die Legdener Kirche umgebaut hatte, entschloss man sich, die alte Baumasse zu bewahren und die Kirche zu erweitern. Eine Verlängerung in der Längsachse verbot sich aus ästhetischen Gründen, da das Mittelschiff der Kirche nur 8 Meter hoch ist. So plante man, die Kirche um ein Oktogon zu erweitern, und zwar in der ganzen Breite der alten Kirche. Ringförmig erweitert sich das Achteck um je ein Joch nach den alten Maßen. Der rechteckige Chorabschluss wurde an die Stelle des neu zu errichtenden versetzt mit zwei nebengeordneten Apsiden. Als künstlerisches Gegengewicht zur Kuppel wurden dem alten Westturm zwei höhere Glockentürme flankierend zur Seite gestellt.
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Der Grundstein für die neue Baugruppe wurde 1908 gesetzt. Bis 1910 waren das Oktogon und die Glockentürme errichtet. Erst 1922 - inzwischen war der Erste Weltkrieg vorüber - konnte die gesamte Erweiterung mit den Seitenschiffen sowie nötigen Restaurierungsarbeiten wieder aufgenommen und zum Abschluss gebracht werden. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert sind im nördlichen Münsterland eine Reihe von Dorf- und Kleinstadtkirchen erweitert oder neu erbaut worden, die man unter dem Stilbegriff »Historismus« zusammenfasst. Da ein eigener, zeitgemäßer Baugedanke fehlte, ahmte man die historischen Stile der Romanik und Gotik nach (vergl. etwa die St.-Antonius-Basilika in Rheine sowie den St.-Ludgerus-Dom in Billerbeck!). Auch im Innern der Osterwicker Kirche verschaffte sich dieser Stil Ausdruck in der Ausmalung, der Glasmalerei und der liturgischen Einrichtung.
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| Eine seltene Ansicht: Der dreifaltige Gott: Gott, Vater |
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DieTreue zur Verpflichtung, der Kirche ein einheitliches Gepräge zu geben, sowie die Hochschätzung dieses Stils deutete der Bauherr, Pfarrer Wentrup, in einer Rede zur Einweihung der Kirche 1922. Sein Dank an die Architekten schließt: "... sie haben es verstanden, ein zu dem alten Bau passendes Gotteshaus zu schaffen. Ob es nach 20 Jahren auch noch möglich wäre? Das ist zu bezweifeln. Denn jetzt ist die gotische und romanische Baukunst unter die Füße getreten; jetzt herrscht der Expressionismus." Neben der Architektur und dem Steinmetzdekor sind von diesem Historienstil nur Reste der Chorausmalung sowie die Glasmalerei erhalten. Die seraphische Strenge der Gewölbemalerei erinnert an die Beuroner Malerschule. Die lkonographie (Beschreibung der Kultbilder) erkennt unschwer theologische Gedankengänge des späten 19. Jahrhunderts. Neben biblischen Geschichten ist der Grundakkord auf die triumphierende Kirche gestimmt. In der Mitte des Bogenfensters sehen wir eine seltene Darstellung der Trinität: Vater, Sohn und Hl. Geist in königlicher Pose als drei Personen. Etwas tiefer (links) die Patrone der Kirche, Ss. Fabian und Sebastian. Zur Rechten erkennen wir Heiligengestalten der münsterischen Kirchengeschichte, St. Liudger und Gottfried von Cappenberg, den Stifter des Klosters Varlar. Das Gewölbe zeigt die apostolische Abstammung der Kirche mit den zwölf Jüngern. Das Innere des Gurtbogens, der den Chorraum beschließt, ist mit den Symbolen der sieben Sakramente geschmückt. Umgestaltung des Innenraums der Kirche nach dem II. Vatikanischen Konzil (1968/69) Über 40 Jahre waren seit dem großen Erweiterungsbau vergangen, den Zweiten Weltkrieg hatte das Gotteshaus schadlos überstanden. Da kündigte sich ein neues Verständnis von Liturgie an, das nicht spurlos am Liturgieraum vorübergehen konnte. Grundsatz war die »Erneuerung der Ecclesia viva catholica«, der lebendigen katholischen Kirche. Die uns hier nur interessierende kultische Seite hatte zum Ziel, die Äußere Gestalt sowie die Funktionen des Gottesdienstes so zu verdeutlichen, »dass das christliche Volk, soweit das möglich ist, sie leicht erfassen und in voller, tätiger und gemeinschaftlicher Teilnahme mitfeiern kann« (Konstitution über die Liturgie). Unmittelbar nach dem Abschluß des Konzils (1965) kam es daher zwischen dem Pfarrer der Gemeinde, Bernard Krause, dem Leiter des bischöflichen Bauamtes, Herrn Bocklage, dem Münsteraner Architekten Bernhard Heinz und verschiedenen Künstlern zu Vorgesprächen, an denen nach Maßgabe die Gemeinde beteiligt war.
Die Taufkapelle unserer Kirche







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